Zutaten, Rohstoffe
Kuvertüre Temperieren (Schokolade, Tunkmasse)
Ein streifenfreier Überzug für Pralinen und Kekse wird durch korrektes Temperieren der Kuvertüre (Schokolade) erzielt. Die Impfmethode ist eine gute Lösung, um die erwünschten Kakaobutter Kristalle Beta-V (Beta-5) hervorzubringen. Insbesondere wichtig für Herstellung von Konfekt und Pralinen.
Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, Kuvertüre für die Verwendung durch "Temperieren" vorzubereiten.
Hintergrund: bei der Abkühlung/Erhärtung von Kuvertüre und Schokolade kristallisieren die Fettsäuren der Kakaobutter aus. Wir der Vorgang des Temperierens nicht korrekt durchgeführt, ist das Ergebnis unerfreulich: es bildet sich ein weißlicher Film auf der Kuvertüre (das sind im Mikroskop betrachtet winzige Kakaobutterkristalle), die Konsistenz ist krümelig (kein glatter, knackiger Bruch), bröckeliges Gefühl am Gaumen. Dies tut zwar dem Geschmack grundsätzlich nichts - aber die Optik ist nicht schön.
Der Grund dafür ist, daß die Kakaobutter aus vielen verschiedenen Fettsäuren besteht, die bei unterschiedlichen Temperaturen auskristallisieren (und dadurch erhärten).
Profis unterscheiden die verschiedenen Arten von Kakaobutter-Kristallen durch die Zusatzbezeichnung Beta-n. Die erwünschten Kristalle sind die Beta-5-Kristalle (Beta-V). Diese anzuregen bzw. die unerwünschten Beta-6-Kristalle zur Umwandlung in Beta-5-Kristalle anzuregen - darin besteht der Sinn des Temperierens.
Information dazu finden Sie z.B. hier:
Temperieren
Seedmaster
Fraunhofer-Institut
Temperiermethoden
Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist lediglich beispielhaft zusehen:
Impfmethode
Bei der Anwendung der Impfmethode wird die Bildung der Beta-V Kristalle durch die Beigabe bereits "fertiger" Kristalle (meist in Form von ungeschmolzener Kakaobutter oder Kuvertüre) angeregt. Dieser Vorgang wird auch von einigen Temperiermaschinen eingesetzt. Sehr einfach auch in der "Heimverwendung". Callebaut z.B. hat das fein gemahlene Kakaobutter-Produkt Mycryo im Angebot (ist richtig vorkristallisiert und eignet sich auch zum Braten). Das verwende ich manchmal zum Impfen.
Temperaturmethode
Die reine Temperaturmethode schmilzt die Schokolade bei ca. 45 Grad vollständig auf. Läßt sie danach auf 20 bis 25 Grad abkühlen (es bilden sich Beta-V Kristalle) und danach vorsichtig wieder auf Verwendungstemperatur (zumeist 30-32 Grad) erwärmt.
Ohne geeignete Maschine sehr sehr mühsam.
Manche Verfahren sehen bei der Temperaturmethode auch noch das (beschleunigte) Abkühlen der geschmolzenen Kuvertüre durch Tablieren auf einer kalten Arbeitsfläche vor.
Ausführliche Anleitungen und Produktbeschreibungen:
http://www.chocoland.ch/handtemp.php
Verwenden der temperierten Kuvertüre
Grundsätzlich sollte die Raumtemperatur 18 Grad betragen, die Temperatur des zu überziehenden Werkstücks sollte auch 18 Grad betragen.
Ist alles richtig gemacht, dann zieht die Kuvertüre auf dem Werkstück sehr rasch an (Oberfläche wird matt) - innerhalb von 2 bis 5 Minuten. Nicht richtig temperierte Kuvertüre braucht ewig zum fest werden und bildet dann eben den grauen Schleier.
Das vollständige Aushärten der Kuvertüre dauert dennoch mehrere Stunden. Profis verwenden dünne Baumwollhandschuhe, um bei der Manipulation der fertigen Stücke keine Fingerprints zu hinterlassen.
Wie ich temperiere
Ich verwende die Impfmethode: ich schmelze die Kuvertüre im Wasserbad auf, bis sie etwa 45 Grad erreicht hat (genaues Thermometer erforderlich) Thermometer. Danach lasse ich sie etwas abkühlen - auf etwa 40 Grad. Danach füge ich ca. 5 - 10% des Kuvertüregewichts an ungeschmolzener Kuvertüre (Callets, Pastillen oder einfach gehackt) hinzu (das ist das Impfen). Sobald die Temperatur etwa 33 - 35 Grad hat - gebe ich nochmals ein paar Stücke dazu und rühre fleißig um. Sobald die Temperatur 32 Grad hat beginne ich mit der Verwendung.
Bei einer Raumtemperatur von 18 bis 22 Grad kühlt die Kuvertüre relativ rasch weiter ab. Aus diesem Grund muß sie auf Temperatur gehalten werden. Dafür gibts teure Apparate - was ich mir nicht leisten wollte. Ich verwende eine Aquarium-Heizung, die ich in das Wasserbad lege. Ohne Umwälzung verteilt sich die Wärme zwar nicht optimal - aber für mich ist es bislang noch die beste Lösung - um über mehrere Stunden mit der temperierten Schokolade arbeiten zu können.
Geht die Kuvertüre aus, dann schmelze ich in einem anderen Gefäß weitere Kuvertüre auf, lasse sie etwas abkühlen und ergänze den Arbeitsbehälter damit.
Die Mikrowelle kann ich für das Aufschmelzen nicht empfehlen. Die Temperatur verteilt sich nicht gleichmäßig in der Schokolade - wodurch Teile davon leicht überhitzt werden können. Also mal ehrlich - auf die paar Minuten kommts auch nicht an.
Die wohltemperierte Schokolade
Gute Tipps von Profis
Abblasen - dünner Überzug
Um einen dünnen Überzug zu erhalten muß die Kuvertüre sehr dünnflüssig sein - und/oder man verwendet das "Abblasen" - also das Abstreifen von Kuvertüre durch Luftzug. Früher wurde das mit dem Mund gemacht (ergibt eine günstige Temperatur). Die Profis haben Abblas-tunnel dafür, die einen Windstrahl mit der richtigen Temperatur über das Konfekt blasen - und damit Kuvertüre abstreifen. Ich habe natürlich keinen solchen Tunnel - und meine Überlegungen, einen Haarföhn durch einen Dimmer Temperatur-zu-regeln - habe ich aufgegeben, weil Dimmer für diese Stromleistung sehr teuer sind - und ich kein richtiger Bastler bin (das Ding müßte ja auf einem Stativ befestigt werden wenn man nicht über vier Hände verfügt).
Was ich mache ist, daß ich von Vornherein dünnflüssige (also Kakaobutter-reiche) Kuvertüre verwende - und dann manchmal noch weiter mittels Kakaobutter verdünne. Da gibt es super Kuvertüre-Produkte von Callebaut und Valhrona - oder die günstigere Kuvertüre von "Nordpol (Tunkmasse extradünn)". Ich kaufe jetzt immer die Nordpol Tunkmasse, sie ist sehr gut und günstig (gibts in Ö z.B. bei Pfeiffer und Anna-Gold im 5kg Karton in Linsenform).
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Fragen und Kommentare zu diesem Eintrag
Andreas: 21. Dezember 2011
Habe ich das richtig verstanden, dass man zum Impfen spezielle Kuvertüre (mit den richtigen Kristallen) verwenden muss? Ich habe auch Anleitungen gelesen, bei denen "normale" Kuvertüre zum Impfen verwendet wird.
Oder dient das Zugeben der Kuvertüre nur der schnelleren Abkühlung und die Kristalle bilden sich sowieso beim Abkühlen? Ich bin etwas verwirrt...
Antwort: Fred Zimmer: 21. Dezember 2011
Nein, keine spezielle Kuvertüre. Jede Kuvertüre, welche als solche bezeichnet wird, ist korrekt temperiert erstarrt und enthält die nötigen Fettkristalle.
Das Zugeben der Kuvertüre bewirkt, dass die benötigten BetaV Kristalle gebildet werden und die Kuvertüre wunschgemäß erstarrt.
"... Profis unterscheiden die verschiedenen Arten von Kakaobutter-Kristallen durch die Zusatzbezeichnung Beta-n. Die erwünschten Kristalle sind die Beta-5-Kristalle (Beta-V). Diese anzuregen bzw. die unerwünschten Beta-6-Kristalle zur Umwandlung in Beta-5-Kristalle anzuregen - darin besteht der Sinn des Temperierens."
Für weitere Details folgen Sie bitte den Links in diesem Artikel.
Maria: 11. November 2011
Entschuldige, ich habe die gleiche Frage wie "Rudi am 25.März".
Wenn ich Kuvertüre benutzte - ich will Schokoladentafeln machen - wird sie nicht richtig fest? Ich habe die Antwort nciht richtig verstanden. Kanst du mir vielleicht nochmal helfen?
Antwort: Fred Zimmer: 11. November 2011
Maria,
wenn die Masse nicht absteift, dann kann sie meines Erachtens nicht richtig temperiert, also mit den BetaV Kristallen angereichert sein. Welche Temperatur hat die Masse vor dem Füllen? Wie hast Du temperiert? Welche Zutaten sind in der Masse enthalten? lass mal Details rüberwachsen. vielleicht fällt mir was dazu ein.
LG
F
Anonym: 25. März 2011
kann man bei zu hoher Raumtemperatur (zB. im Sommer) die fertig überzogenen Pralinen in den Kühlschrank stellen? Die Temperatur beträgt in meinen 10-12C
Antwort: Fred Zimmer: 25. März 2011
Hab ich noch nicht probiert. Die Profis sagen, dass die Praline (vor dem Überzug) - genauso wie die Raumtemperatur - 18 Grad haben soll. Das schaffe ich bei mir nie. Aber die Kuvertüre zieht innerhalb von Minuten an - und kann auch bei einer Raumtemperatur von 23 oder 24 Grad innerhalb von drei bis vier Stunden voll aushärten. In der Profiliteratur wird das sofortige Kühlen nicht empfohlen. Ausprobieren und berichten!!
Rudi: 25. März 2011
meine Kuvertüre bekommt keinen grau/weißen Schleier, sondern einen schönen Glanz, aber leider wird sie auch nach einen Tag nicht richtig fest. Nicht mal im Kühlschrank bekommt sie die richtige Härte wie im Original.
Was mache ich falsch?
PS: ist ein Thermometer wirklich unbedigt erforderlich, oder kann man sich zur Not anders helfen?
Antwort: Fred Zimmer: 25. März 2011
Hallo Rudi,
also dass die Kuvertüre keinen Schleier kriegt grenzt an ein Wunder - oder sie enthält noch andere Fette als Kakaobutter - und ist dann keine Kuvertüre. Ich glaube, dass kein Weg an einem Thermometer vorbeiführt. Und die 21 EUR sind gut investiert, da sich das Thermometer für die Messung von Kernttemperatur z.B. bei Roastbeef oder Beefsteaks bestens eignet.
Wenn die Kuvertüre richtig temperiert wurde, dann zieht sie innerhalb von 2 bis 3 Minuten an (man erkennt das daran, dass sie nicht mehr so stark glänzt).
Anonym: 7. Februar 2011
ich habe fertige Vanilleglasur gekauft und verwendet. leider war diese so hart auf den Kuchen, dass diese zur Seite gelegt wurde. Nun zu meiner Frage, gibt es Möglichkeiten die Glasur geschmeidiger zu machen?
Antwort: Fred Zimmer: 12. Februar 2011
Sicher, z.B. mit Butter ...
Anonym: 17. Dezember 2010
Danke fuer die schoene Anleitung, die Idee mit der Aquariumpumpe ist super !
Antwort: Fred Zimmer: 18. Dezember 2010
:-))
Anonym: 20. März 2010
Wieso wird couverture fest wenn wasser rein kommt
Antwort: Fred Zimmer: 23. März 2010
Sorry, kann ich leider weder chemisch noch physikalisch erklären. Aber es stimmt. Wenn man in geschmolzene Kuvertüre Wasser oder wässrige Flüssigkeiten einbringen - wird das ganze bröckelig. Kein Problem gibts mit Fetten.